Corporate Health

Nur gesunde Mitarbeiter sind gute Mitarbeiter

Corporate Health


Die betriebliche Gesundheitsförderung taucht unter dem Stichwort "Corporate Health" immer häufiger als strategisches Thema in den Unternehmen auf. Trotz gutem Willen liegt aber noch einiges im Argen. Und letztlich hängt Gesundheit eben auch mit dem Thema Führen zusammen.

 

 

 von Michael Vogel

Die Zahlen sprechen für sich. Arbeitsunfähigkeit, Invalidität oder vorzeitiger Tod summieren sich in Deutschland auf mehr als 760.000 Erwerbstätigenjahre. Laut dem Statistischen Bundesamt ist diese Zahl in den vergangenen sechs Jahren um mehr als 20 Prozent angestiegen. Und psychische Erkrankungen sind laut der Deutschen Rentenversicherung inzwischen die häufigste Ursache für krankheitsbedingte Frühberentungen; ihr Anteil hat sich in den vergangenen Jahren in etwa verdoppelt. Kein Wunder, dass immer mehr Unternehmen sich ernsthaft mit der betrieblichen Gesundheitsförderung oder dem Gesundheitsmanagement beschäftigen.

Corporate Health: Förderliche Arbeitsatmosphäre

"Früher gaben viele Unternehmen einfach Geld fürs Gesundheitsmanagement aus, ohne nach dem Nutzen zu fragen", sagt Oliver-Timo Henssler, Director Sustainable Management bei dem Marktforschungs- und Beratungsunternehmen EuPD Research. "Heute erkennen immer mehr Arbeitgeber den strategischen Charakter des Themas." Denn in einer Gesellschaft, in der die Schlagwörter demografischer Wandel und Fachkräftemangel allgegenwärtig sind, bekommt eine betriebliche Gesundheitsförderung ganz neue Bedeutung, die sich letztlich auch unter dem Oberbegriff Mitarbeiterbindung subsumieren lässt.

EuPD Research lobt zusammen mit dem Tüv Süd und dem "Handelsblatt" sowie weiteren Partnern wie der Techniker Krankenkasse und den Weight Watchers seit 2009 den jährlichen Corporate Health Award aus. Die Auszeichnung bekommen Unternehmen für besonders gelungene Aktivitäten bei der betrieblichen Gesundheitsförderung. Die Teilnahme ist kostenlos. Während die 20 Finalisten dann ein kostenloses Audit von EuPD bekommen, können die restlichen Teilnehmer dieses als Dienstleistung einkaufen. In dem Audit analysieren die Berater, wie systematisch ein Unternehmen seine betriebliche Gesundheitsförderung betreibt.

Mitarbeiter gesund erhalten: Den Bedarf erkennen

"Es geht also um die Steuerung der Aktivitäten, um die Strategie und inwiefern der vorhandene Bedarf befriedigt wird, verbunden mit einem entsprechenden Controlling", erläutert Henssler. In diesem Jahr hatten sich für den Preis mehr als 200 Unternehmen beworben.

Eine Auszeichnung mit ähnlichen Zielen verfolgt der Deutsche Unternehmenspreis Gesundheit, hinter dem der BKK Bundesverband steht. In diesem Jahr wurde der Preis bereits zum fünften Mal verliehen. Verantwortliche in Unternehmen haben durch solche Zertifizierungen die Möglichkeit, ihre Aktivitäten in der betrieblichen Gesundheitsförderung einem unabhängigen Vergleich zu unterziehen – und natürlich auch Werbung in eigener Sache zu betreiben.

Gesundheitsmanagement als Imagefaktor

Denn dass es trotz allem guten Willen noch einiges zu tun gibt, zeigen die einschlägigen Reports verschiedener Krankenkassen zum Stand der Gesundheit ihrer Versicherten. Laut Brigitte Jürgens-Scholz, der Leiterin der Geschäftsstelle des Deutschen Netzwerks für Betriebliche Gesundheitsförderung (DNBGF), gehört zu einem guten betrieblichen Gesundheitsmanagement, dass "die Mitarbeiter partizipieren können und eine Evaluation stattfindet". Letztlich gehe es darum, "auch die Beschäftigten zu erreichen, die sonst nichts für ihre Gesundheit tun".

Der Gesetzgeber hat dafür nicht zuletzt steuerliche Anreize für Unternehmen geschaffen, die seit 2009 greifen. Doch sie scheinen keine Triebfeder für die Aktivitäten der Unternehmen zu sein. Zu diesem Schluss kommt die Initiative Gesundheit und Arbeit (IGA) durch eine Befragung von Mitarbeitern der Krankenkassen und Unfallversicherungsträger, die Ansprechpartner für Firmen bei der betrieblichen Gesundheitsförderung sind.

Steuerliche Vorteile für Unternehmen

Hinter der IGA stehen vier Verbände der gesetzlichen Kranken- und Unfallversicherung. Laut der Studie ist die Steuerbefreiung zwar der Mehrzahl der Unternehmen bekannt, allerdings gehen mehr als die Hälfte der befragten Krankenkassenmitarbeiter davon aus, dass die steuerlichen Vorteile zu keinem größeren Angebot von Leistungen zur Gesundheitsförderung durch die Unternehmen geführt hat. Auch die befragten Steuerberater kommen zu diesem Schluss.

Laut dem Einkommenssteuergesetz können Arbeitgeber ihren Mitarbeitern bestimmte gesundheitsfördernde Maßnahmen anbieten, die bis zu einem Betrag von 500 Euro pro Beschäftigtem und Jahr steuerfrei bleiben. Davon unabhängig gibt es seitens der Unfallversicherungsträger, der Krankenkassen und der Rehabilitationsträger und Integrationsämter weitere Anreize für Arbeitgeber in Form von Prämien und Boni.

Den passenden Rahmen schaffen

Gesundheitsförderung erfordert aber vor allem auch einen passenden Rahmen: geeignete Arbeitsplätze, der altersgerechte Einsatz der Mitarbeiter, eine gegenseitige Wertschätzung zwischen Beschäftigten und Vorgesetzten. "Wenn die Verhältnisse stimmen", sagt DNBGF-Geschäftsstellenleiterin Jürgens-Scholz, "sind Mitarbeiter eher bereit ihr eigenes Verhalten mit Blick auf ihre Gesundheit zu überprüfen."

Helmut Schröder, Mitglied der Geschäftsführung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK, brachte es anlässlich der Veröffentlichung des jüngsten "Fehlzeiten-Reports" so auf den Punkt: "Ein gesundheitsfördernder Führungsstil beeinflusst das Befinden der Mitarbeiter positiv und hilft auch die Fluktuation im Unternehmen gering zu halten." Der Fehlzeiten-Report hatte in seinen Befragungen diesmal das Thema "Führungsaufgabe Gesundheit" in den Mittelpunkt gestellt. Leider, so Schröder weiter, verhielten sich viele Chefs nicht entsprechend: "Selbst kleine Selbstverständlichkeiten, wie Lob bei guter Leistung, erhalten mehr als die Hälfte der Mitarbeiter nicht von ihrem Chef."

(Bild: Istockphoto)

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