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Weiterbildung in Non-Profit-Organisationen boomt

Weiterbildung in Non-Profit-Organisationen boomt

Weiterbildung in Non-Profit-Organisationen boomt

Seit Jahren ausgebuchte Lehrgänge und lange Wartelisten belegen: Die Nachfrage nach Weiterbildung für Kaderleute in Non-Profit-Organisationen ist gross. Wo liegen die Gründe für diesen Boom?

 

Weiterbildung boomt. Nicht nur in der Privatwirtschaft ist das Bedürfnis nach Wissen gross. Auch Angebote der Weiterbildung für Non-Profit-Organisationen (NPO) erleben eine starke Nachfrage. Der Lehrgang "Management in NPO" an der kantonalen Berufsschule für Weiterbildung, EB Zürich, ist nur eines von über einem Dutzend vergleichbarer Angebote in der Schweiz. Dreimal im Jahr startet der Zürcher Lehrgang, welcher zwei Semester dauert.

Management in NPO

Hans-Peter Gächter ist Leiter des Bildungsganges. Seit zehn Jahren führt die EB Zürich den Kurs "Management in NPO" im Programm, der mit dem Diplom der Schule abschliesst. In den ersten zwei, drei Jahren sei die Nachfrage etwas "durchzogen" gewesen, so Gächter. Danach aber seien alle drei Kurse pro Jahr immer ausgebucht gewesen. Pro Kurs stehen 16 Plätze zur Verfügung. Die Nachfrage ist so gross, dass sich viele Interessierte auf eine Warteliste setzen lassen müssen. "Wir müssen je länger je mehr Leute zurückstellen", sagt Gächter.

Der Bildungsgang an der EB Zürich sei eine "Generalistenausbildung". In 39 Halbtagen erhalten die Absolventen einen Überblick über Themen wie Finanzen, Betriebswirtschaftslehre, Marketing und Public Relations. Ab nächstem Jahr steht zusätzlich noch Personalmanagement auf dem Lehrplan.

Professionalisierung erzeugt Boom

Auch Stefan Adam spricht von einer ungebrochenen Nachfrage. Adam leitet den berufsbegleitenden Masterstudiengang "Betriebswirtschaft für NPO" an der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW). Der Lehrgang startet zweimal im Jahr mit rund 20 Teilnehmern. Die Ausbildung an der FHNW dauert mit fünf Semestern nicht nur länger als derjenige an der EB Zürich, sie ist auch einiges teurer. 

Die Ausbildung an der EB Zürich kostet 4.500,- Franken, an der FHNW 24.400 Franken. Dafür führt der Lehrgang zum Master-Abschluss. Jeweils zwei bis drei Monate vor Beginn seien die Lehrgänge ausgebucht, sagt Adam. Auch in Olten führt man eine Warteliste.

Höhere Ansprüche des Staates

Gründe für die grosse Nachfrage ihrer Ausbildungsangebote sehen die beiden Verantwortlichen vor allem in der zunehmenden Professionalisierung des NPO-Bereiches. Adam spricht von einer "Ökonomisierungswelle". "Früher wusste niemand so genau, was diese Non-Profit-Organisationen machen", sagt Adam. Heute sei der Legitimationsdruck viel grösser. Dieser Druck komme auf der einen Seite von den privaten Geldgebern, den Gönnern und Spendern, auf der anderen Seite seien aber auch "die Anforderungen der öffentlichen Hand an die NPO gestiegen", so Gächter.

Die höheren Ansprüche des Staates als Geldgeber haben auch Bettina Rumpf zur Weiterbildung bewogen. Rumpf ist Stiftungsratspräsidentin der "Stiftung Wegwarte" in Basel. Die Wegwarte betreibt ein Übergangsheim mit einem Zentrum für stationäre Betreuung, einem Zentrum für Mutter und Kind sowie ein Zentrum für ambulante Wohnintegration. 

Mehr Transparenz

Mit dem Neuen Finanzausgleich (NFA) berappen die Kantone die IV und nicht mehr der Bund. Zudem wechselte das System. Es gibt keine Objektfinanzierung, also Fallpauschalen mehr. Neu funktioniert die IV nach der sogenannten Subjektfinanzierung, sie bezahlt also nur noch die Kosten für konkrete Massnahmen, die von Fall zu Fall unterschiedlich ausfallen. 

"Dadurch sind die Institutionen gezwungen, anders zu funktionieren", sagt Rumpf. Nicht nur der Staat, auch private Geldgeber wollten mehr Transparenz. "Die Zeit der NPO als ‚Wohlfühloasen’ ist vorbei", sagt Rumpf, "nur noch professionell geführte NPOs erhalten ausreichend Spendengelder."

Rumpf absolvierte den Lehrgang an der EB Zürich denn auch vor allem, um ihr Wissen in den Fächern Finanzbuchaltung und  Betriebswirtschaft zu vergrössern. "Vorher haben mich Zahlen nie sonderlich interessiert", sagt die ausgebildete Physiotherapeutin und MBA-Absolventin.

Nachholbedarf an Managementausbildung

Gemäss Hans-Peter Gächter ist Rumpf eine typische Absolventin des EB-Lehrgangs: langjähriges ehrenamtliches Engagement für eine NPO, in ihrem Fall die Wegwarte, jetzt das Bedürfnis, Wissenslücken, vor allem im Finanzbereich zu füllen. "Viele unserer Absolventen kommen unter anderem aus dem sozialen Bereich, aus der Spitex, der öffentlichen Verwaltung oder von Hilfswerken", so Gächter. 

Alles Bereiche, in denen das Finanzmanagement nicht zum Kern der Ausbildung gehört. Diese Leute sind auch die Hauptkunden von Adam an der FHNW: "Sie rutschen in Führungspositionen und lernen ihre Managementtätigkeit 'on the job'." Irgendwann kämen sie an den Punkt, an dem sie sich fragen würden "Was mache ich da eigentlich? Entspricht das, was ich tue eigentlich einem zeitgemässen Management?", so Adam.

Kompetenter Verhandlungspartner für alle

Neben dem Wissen über den Umgang mit den Finanzen hätte sie auch viel gelernt über Kommunikation, sagt Rumpf. "Öffentliche Kommunikation wie Marketing und Public Relations aber auch interne Kommunikation". Dieser zweite Schwerpunkt hat seine Berechtigung. Denn in Sachen Kommunikation stünden die NPO in einem besonderen Spannungsfeld, sagt Adam. 

Die Logik der Betriebswirtschaft und die Logik des Staates würden häufig aufeinanderprallen. Gächter sagt: "Als Führungspersönlichkeit in einer NPO muss man gegenüber unterschiedlichen Institutionen und Fachleuten ein kompetenter Verhandlungspartner sein."

(Christian Zellweger, 2017 / Bild: Robert Kneschke, Fotolia.com)


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