Keine Panik: Smalltalk beim Apero

Keine Panik: Smalltalk beim Apero

Keine Panik: Smalltalk beim Apero

Form to

Smalltalk – einer der Gründe dafür, dass viele Menschen die schiere Panik befällt, wenn die Saison der Apéros und Betriebsfeiern naht. Zumal bei solchen Anlässen auch noch andere Fettnäpfchen darauf waren, betreten zu werden.

 

 

"Waren Sie auch an der Vernissage? Schade, sehr beeindruckend, vor allem die Ansprache des Künstlers."

"Aber – der ist doch schon 20 Jahre tot."

Heisse Ohren auf der einen Seite, indigniertes Hüsteln auf der anderen. Und nach einem Moment betretenen Schweigens: "Ja, dann…, ich werde dann mal."

 



Smalltalk ist wichtig


"Smalltalk ist kein oberflächliches Geplapper, wie viele meinen; es ist eine der wichtigsten Kommunikationsformen überhaupt", sagt Janet Betschart, Kommunikationstrainerin aus Seengen. Jene Form nämlich, mit der man häufig den ersten Kontakt aufnehme und auslote, ob die Chemie stimmt. 

Grund genug also, sich entsprechende Fähigkeiten anzueignen. Denn kaum jemand kann es sich leisten, allen Empfängen und Apéros fernzubleiben – oder sich auf Stehpartys ständig in die Nesseln zu setzen.

Die BASF-Regel

Ein guter Tipp für den Einstieg sei die BASF-Formel, sagt Image-Beraterin Leonore Rossel aus Urdorf ZH. Und: "Sprechen Sie sichere Themen an, den aktuellen Anlass beispielsweise, Hobbys, Herkunft – in der Regel klappt das." Und wenn das Gespräch trotzdem nicht richtig in Schwung kommt, keine gemeinsamen Interessen erkennbar sind? "Beenden Sie es taktvoll und verabschieden Sie sich freundlich."

BASF-Regel

B wie beobachten
Blickkontakt herstellen, am besten mit einem Lächeln.

A wie ansprechen
Bei positiven Signalen, wenn beispielsweise das Lächeln erwidert wird.

S wie Statement
Ein Thema anreissen, eine Meinung kundtun.

F wie fragen
Damit das Gegenüber anknüpfen und in das Gespräch einsteigen kann.



Wer sich beim Apéro oder der Stehparty minutenlang mit jemandem abmüht, dem er absolut nichts zu sagen hat, sei selber schuld. Stil-Beraterin Nicole Veser aus Wolfhalden AR empfiehlt: "Seien Sie aktiv und bestimmen Sie selbst, mit wem Sie sprechen wollen." 

Sich Gesprächspartner selbst aussuchen

So vermeide man, von Leuten "ausgesucht" zu werden, die man nicht angesprochen hätte. "Geraten Sie trotzdem mal an den Falschen, stellen Sie eine offene Frage und überlassen Sie das Reden dem anderen." Nicht selten entwickeln sich dabei unerwartet interessante Gespräche. 

Sich die Gesprächspartner selbst auszusuchen ist auch eine gute Strategie gegen Leute, die sich anbiedern wollen. Kommt es dennoch zu einer unliebsamen Begegnung: Klare Signale senden. "Treten Sie einen Schritt zurück und wechseln Sie das Thema", rät Leonore Rossel. "Und verabschieden Sie sich bei der nächsten Gelegenheit höflich."

Smalltalk mit dem Chef

Nicht nur das beiläufig-freundliche Plaudern bereitet zuweilen Bauchzwicken – auch die Benimmregeln können einem den Schweiss ins Hemd treiben. Was ist beispielsweise zu tun, wenn man dem Chef über den Weg läuft? 

"Vorgesetzte werden verbal gegrüsst – ob es zum Handschlag kommt, entscheidet der Ranghöhere", sagt Rossel. "Werden Sie von einer dem Chef unbekannten Person begleitet, ist es dann aber an Ihnen, das Vorstellungsritual zu eröffnen." 

Niemand ist hundertprozentig korrekt

Sie seien nicht ganz einfach, die Regeln rund ums Vorstellen und Begrüssen. Und längst nicht alle beherrschen sie. Daher der Tipp: "Sich nicht hundertprozentig korrekt zu verhalten ist allemal besser, als gar nichts zu tun."

Ein paar andere Regeln, die man kennen sollte: Enthält die Einladung eine Zeit, ist man gut beraten, pünktlich zu erscheinen – und auch rechtzeitig wieder zu gehen. Wer sich auf die "akademische Viertelstunde" verlässt und dann mitten in die Rede des Gastgebers platzt, steht mit beiden Beinen im Fettnapf. 

Pünktlichkeit

Nicole Veser: "Ist hingegen lediglich ein Zeitfenster angegeben, kann der Gast kommen und gehen wann er will." Im Prinzip, aber: Erst kurz vor dem Ende zu erscheinen, werde als ebenso unhöflich empfunden wie nur mal eben reinzuschneien um sich übers Buffet herzumachen oder ein paar "Cüpli" zu stürzen. 

Auch immer wieder zu beobachten sind Fehlgriffe in den Kleiderschrank. "Dass man weisse Socken nur beim Sport trägt, scheint sich noch nicht ganz rumgesprochen zu haben", stellt Janet Betschart fest. "Achten Sie darauf, ob die Einladung einen "Dresscode" enthält", sagt Veser. 

Fehlgriffe in den Kleiderschrank

Dem sei unbedingt Folge zu leisten. "Fragen Sie nach, wenn Sie nicht sicher sind." In Turnschuhen einzulaufen, wenn "Black tie optional" gewünscht ist, komme nicht gut an.

Zum Verzweifeln! Gibt es denn überhaupt einen Weg, derartige Veranstaltungen halbwegs ungeschadet zu überstehen? Betschart: "Seien Sie gut drauf, das ist das Allerwichtigste." Authentisch sein, Blickkontakt suchen und ehrlich lächeln – das bewirke mehr als perfektes Outfit und minuziöses Einhalten der Knigge-Regeln zusammen.

 

(Vera Sohmer, 2010 / Bild: 12foto.de, Fotolia.com)