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Initiativbewerbung: ''Ein bisschen wie ein Flirt''

Initiativbewerbung: ''Ein bisschen wie ein Flirt''

Nicht immer passen die Inserate in Zeitung oder Internet zum eigenen Profil. In solchen Fällen kann sich die Suche nach dem passenden Unternehmen lohnen. [10.08.2006]





Eine Initiativbewerbung sei ein bisschen wie ein Flirt, meint Karriereberater Jürgen Hesse. "Man stellt sich vor, zeigt Initiative und versucht, einen neuen potenziellen Arbeitgeber zu 'verführen'", sagt er. Zweierlei Situationen können dabei entstehen. "Man kann Bedürfnisse wecken und dem Arbeitgeber vor Augen führen, dass er so einen Mitarbeiter eigentlich schon immer gebraucht hat", erläutert Hesse.

Zeichen für Engagement

Ebenso kann es passieren, dass man mit seiner Initiativbewerbung einer Stellenanzeige für eine vakante oder noch zu schaffende Position zuvor kommt. Wer da seine Unterlagen schon in der Post hat, hat einen klaren Vorsprung der Konkurrenz gegenüber. "Grundsätzlich ist es wichtig, ein Angebot zu machen, das nur schwer abzulehnen ist", sagt der Berater.

Nicht alle Karriereberater sind uneingeschränkt für die Initiativbewerbung. Auch Unternehmen haben - zumindest in der Vergangenheit - nicht immer positiv reagiert. Und dennoch: "Eigeninitiative macht sich immer gut", sagt Beraterin Helga Krausser-Raether. Denn selbst wenn die erste Intitiative keinen sofortigen Erfolg bringt - ein überzeugender Auftritt kann dafür sorgen, dass sich der Bewerber für zukünftige Positionen empfiehlt und seine Unterlagen zur Wiedervorlage im Unternehmen verbleiben.

Gezieltes Vorgehen

Wichtig ist allerdings eine gründliche Vorbereitung: Das Anschreiben muss aktiver und passgenauer verfasst werden als bei einer normalen Bewerbung. "Die Basis für eine Bewerbung ist immer eine genaue Analyse der beruflichen und persönlichen Leistungen und eines Erarbeitung eines Kompetenzprofils", erklärt Krausser-Raether. Wie zentral ein passgenaues Anschreiben ist, bestätigt auch Hesse. Denn nur so könne man das eigene Profil in die Anforderungen der Firma einpassen.

"Wichtig ist ein Plan für die Initiativbewerbung", rät der Karriere-Experte. Wenig Sinn mache es, wie ein Angler das Netz auszuwerfen und zu schauen, wo mal ein Fisch hineingeht. Massenaussendungen, um die Rücklaufquote zu erhöhen, sind kontraproduktiv: "Man muss dem Unternehmen schon darstellen, dass man sich mit ihm gründlich auseinander gesetzt hat."

Denn ein Bewerber müsse nicht nur die eigenen Stärken, sondern auch Branche und Position des Unternehmens gut kennen, um seine Vorzüge richtig zu präsentieren. "Quellen können Broschüren, Internetseiten, Tageszeitungen, PR-Berichte oder Anzeigen sein," empfiehlt Krauser-Raether.

Keine Plauderstunde

Die Bewerbung selbst kann kurz oder lang sein - Anschreiben mit Lebenslauf, um die Lage zu testen oder eine ganze Mappe. Wenn allerdings keinerlei Interesse besteht, hat die zweite Variante mehr Zeit und Geld gekostet. Um das Interesse eines potenziellen Arbeitgebers einzuschätzen, bietet sich vorab ein Anruf in dem Unternehmen an.

Dabei kommt es nicht auf das nette Plaudern an, sondern darauf, Vorzüge und Qualifikationen kurz und präzise darzustellen. Ist das Interesse geweckt, kann ein Anschreiben gleich mit einem Satz wie "Wie telefonisch vereinbart schicke Ihnen meine Unterlagen zu ..." beginnen.

Fach- oder Personalabteilung?

Den richtigen Ansprechpartner in der Fachabteilung findet man mitunter schon auf der Firmen-Webseite. Viele der Internet-Angebote sind so detailliert, dass der Experte dort genannt ist. Auch aus Anzeigen in Zeitungen oder Stellenbörsen lassen sich diejenigen herausfinden, an die die Unterlagen gehen sollen.

Manchmal helfen auch eigene Kontakte - vielleicht kennt ein Bekannter den richtigen Ansprechpartner in der Fachabteilung. Gelangt man nicht zum gewünschten Gesprächspartner, geht der Weg über die Personalabteilung: "Dann wird die Initiativbewerbung erst von den Personalern gesichtet und - wenn sie formale und inhaltliche Anforderungen erfüllt - an die Fachabteilung weitergeleitet", sagt Helga Krausser-Raether.

Bewerbung im Jahreszeitenwechsel

Und dann gibt es noch Zeiten im Jahr, zu denen so eine Initiative tendenziell mehr Erfolg verspricht als zu anderen: "Das ist das erste Quartal eines Jahres und der Herbst", sagt Jürgen Hesse. Zwischen dem dritten und vierten Quartal werde ebenfalls gern eingestellt, allerdings sollte man nicht zu spät kommen. "Der September ist eine gute Zeit, dann hat man bis zum November meist das Bewerbungsgespräch hinter sich." Später im Jahr ziehe dann auch bei den Firmen die Weihnachtszeit ein und das Jahr klinge ohne grössere Aktionen aus.

Nicht übertreiben

Neben der Initiativberbung gibt es noch weitere Möglichkeiten, unaufgefordert an Unternehmen heranzutreten. Der "klassische" Weg ist ein Stellengesuch per Internet oder Zeitung. In Einzelfällen haben Bewerber ihre Arbeitskraft auch schon bei ebay versteigert oder auf Litfassäulen präsentiert. Doch bei solcherlei kreativen Bewerbungsformen sei Vorsicht geboten, meinen Experten: "Der Schuss kann auch nach hinten losgehen."

(Verena Wolff / Bild: Digital Vision)


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