Englische Jobtitel: cool oder crazy?

Englische Jobtitel: cool oder crazy?

Englische Jobtitel: cool oder crazy?


Englische Berufstitel

Englische Berufstitel sind in Mode und versprechen Prestige. Oft aber stecken hinter den Begriffen weit einfachere Aufgaben, als man denkt. Datenbanken helfen beim Entschlüsseln.


Von Vera Sohmer


Eine der obligatorischen Fragen beim Smalltalk lautet: "Und was machen Sie beruflich?" Idealerweise fallen dann Begriffe, unter denen man sich etwas vorstellen kann: Schreiner, Bauingenieur, Unternehmensberaterin, Personalverantwortliche bei einer Bank. Aber was um Himmelswillen macht ein Ethical Hacking IT Security Specialist? Oder ein Sales Manager Fixed Income*?

Der Trend zu Anglizismen nimmt zu

Englische Berufsbezeichnungen sind oftmals eher verwirrend. Selten tragen sie dazu bei, dass ein anderer versteht, um welche Tätigkeit es geht. Und meistens ginge es auch einfacher. Warum in einem deutschsprachigen und national tätigen Unternehmen aus einem Marketingleiter ein Chief Marketing Officer, kurz CMO, wird, ist Aussenstehenden schwer zu erklären.

Aber der Trend zu Anglizismen in Schweizer Stelleninseraten nimmt weiter zu. Einer der Gründe nach Angaben von Experten: Die vielen internationalen Firmen, die ihren europäischen Hauptsitz in die Schweiz verlegen und Stellen in der "Corporate Language" ausschreiben. Zugenommen haben darüber hinaus die Stellenanzeigen in Fachbereichen, die von der englischen Sprache geprägt sind, Informatik etwa oder Ingenieurwissenschaften.

Fast jeder ist ein "Manager"

Verkehrt sind die englischen Bezeichnungen nicht immer. Sie ergeben etwa dann einen Sinn, wenn die ganze Anzeige in Englisch formuliert ist und dies für die Stelle die relevante Sprache sein wird. Oder wenn der Berufstitel aus dem angelsächsischen Sprachraum stammt und eingedeutscht schlicht falsch oder nicht mehr exakt genug wäre. Oft aber geht es nur ums Image: Ein englischer Jobtitel suggeriert Wichtigkeit, Verantwortung, Kompetenzen und versprecht höheres Prestige.

Wer im Stelleninserat auf den Begriff "Manager" stösst, sollte sich deshalb nicht blenden lassen. Management wird in der Schweiz fälschlicherweise mit Führungsverantwortung gleichgesetzt. Oft aber ist stattdessen Sachverantwortung gemeint, so beim Produkt Manager, Sales Manager oder dem inzwischen zum Klassiker gewordenen Facility Manager, dem Hauswart.

Der Jobtitel sagt oft wenig aus

Vor Fehlinterpretationen schützt sich darüber hinaus, wer das ganze Stellenprofil aufmerksam liest. Ist es eine gute und seriöse Anzeige, geht daraus hervor, um welche Aufgabe es sich wirklich handelt. Empfehlenswert ist grundsätzlich, zuerst zu recherchieren und dann die Bewerbung abzuschicken. Wer mit dem Berufstitel nichts anfangen kann oder unsicher ist, findet Hilfe in speziellen Datenbanken.

Sie liefern nicht nur Erklärungen der englischen Begriffe, sondern auch die deutschen Synonyme. Denn dass für ein und denselben Beruf englische wie deutsche Bezeichnungen im Umlauf sind, sorgt zusätzlich für Verwirrung. Wer glaubt, ein Personalfachmann ist ein Personalfachmann und damit Schluss, der irrt. Es kann sich auch um einen Personalfachspezilisten handeln. Oder um einen Human Resources Manager beziehungsweise einen Human Resources Specialist. Oder wie wäre es mit dem HR Officer oder HR Expert?

*Ein Ethical Hacking IT Security Specialist simuliert im Auftrag eines Kunden einen Hacker. Das hilft, die Schutzsysteme zu verbessern. Mit einem Sales Manager Fixed Income ist ein Verkaufsberater für festverzinsliche Anlagen gemeint.

(Bild: Robert Churchill, istockphoto)