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Das Anschreiben: Brücken bauen

Das Anschreiben: Brücken bauen

Bei jedem Unternehmen, das offen Stellen ausschreibt, trifft eine oft unüberschaubare Vielzahl an Bewerbungen ein. Wer bei solcher Konkurrenz mindestens in die zweite Runde kommen will, muss sich mit seiner Bewerbung positiv von der Masse der anderen abheben. 



Denn bei ähnlichen Qualifikationen und vergleichbaren Erfahrungen fällt die Entscheidung zu Gunsten der Bewerbung, die am überzeugendsten und professionellsten aufgemacht ist. Dabei geht es keinesfalls um das Motto "Auffallen um jeden Preis" beispielsweise durch willkürlich eingesetzte schrille Farben, bunte Schriften und Sonderformate. Es kommt auf die sinnvolle Verbindung von ansprechender Aufmachung und überzeugendem Inhalt an.

Überzeugende Kommunikation mit dem "Brückenprinzip"

Das "Brückenprinzip" ist eine Technik, die aus der Überzeugungsrhetorik stammt und die Sie auch für Ihre Bewerbung nutzen können. Sie ist denkbar einfach und besagt: "Mit wem Sie ein Stück gehen, der wird eher bereit sein, auch ein Stück mit Ihnen zu gehen." Es hilft also, wenn Sie Brücken bauen und Ihr Einfühlungsvermögen nutzen, um ein Stück auf das Unternehmen zuzugehen
und deutlich machen, dass Sie den Weg kennen und ihn gern gemeinsam beschreiten möchten. Denn damit stärken Sie die Motivation des Entscheidungsträgers, gerade Sie zu einem weiterführenden Gespräch einzuladen.

Es gibt verschiedene Wege, um schon im Bewerbungsschreiben Brücken zu Ihrem neuen Arbeitgeber zu schlagen. Die Voraussetzung dafür ist, dass Sie zunächst gedanklich die Perspektive des Bewerbungsempfängers einnehmen. Jedes Unternehmen, das eine Stelle ausschreibt, wünscht sich Bewerber, die zur Firma passen und die sich mit ihr identifizieren. Machen Sie deutlich, dass Sie
sich aus gutem Grund für die Bewerbung bei gerade diesem Unternehmen entschieden haben. So schaffen Sie mit Ihrer Bewerbung eine Verbindung zwischen Ihrem potenziellen Arbeitgeber und Ihrer eigenen Person. Damit unterscheiden Sie sich sofort von allen anderen Bewerbern, die ausschliesslich von sich selbst und von ihrer Qualifikation schreiben.

Orientieren Sie sich an der Stellenausschreibung

Eine sehr einfach zu bauende Brücke ist die zwischen der Stellenanzeige des Unternehmens und Ihrer Bewerbung. Bei der Lektüre des Stellenmarktes der einschlägigen Tagespresse und auch bei Online-Ausschreibungen haben Sie es bestimmt schon gemerkt. Viele Anzeigen folgen einem wiederkehrenden Muster: 

  • Wir suchen 
  • Ihre Aufgaben
  • Ihr Profil/Ihre Qualifikationen
  • Unser Angebot/Wir bieten Ihnen

    Wenn Sie das eigene Anschreiben an der Gliederung der Anzeige orientieren, setzen Sie sich mit Ihrer Bewerbung wohltuend von gängigen Begleitbrief-Formulierungen à la "hiermit bewerbe ich mich um die von Ihnen ausgeschriebene Stelle" ab. Wer sich in Anschreiben und Lebenslauf auf alle
    genannten Punkte bezieht, macht deutlich: "Ich habe mich ganz genau mit ihren Erwartungen auseinander gesetzt."

    Anleitung zur Umsetzung

    Schreiben Sie beispielsweise schon in der Betreffzeile: "Sie suchen einen versierten Kraftfahrzeug-Ingenieur?" Erläutern Sie unter dem selbstbewusst formulierten Gliederungspunkt "Meine Aufgaben", aus welchen Gründen Sie der Meinung sind, die ausgeschriebenen Tätigkeiten zum optimalen Unternehmensnutzen ausführen zu können. Nennen Sie Ihre Abschlüsse, Ihre Erfahrung und wichtige Schlüsselqualifikationen unter dem Punkt "Mein Profil" und stellen Sie immer wieder einen Bezug zum Unternehmen her.

    Der Sprachstil ist eine weitere Möglichkeit, um eine Brücke zum Leser Ihrer Bewerbung zu bauen. In einem Handwerksbetrieb wird eine andere Sprache als in einem Weltkonzern gesprochen, auch wenn beides Deutsch ist. Fühlen Sie sich in die firmenspezifische Sprache ein, machen Sie sich diese Sprache zu eigen und spiegeln Sie sie zurück - dann sticht Ihre Bewerbung selbst in der dezentesten Mappe aus dem Stapel heraus und erreicht den Empfänger im umfassendsten Sinne des Wortes. Hinweise zum unternehmensüblichen Sprachstil finden Sie beispielsweise in der Internet-Darstellung, in Werbebroschüren und bei Gelegenheit auch im Gespräch (Telefon oder
    persönliches Gespräch mit Mitarbeitern).

    Spielen Sie mit werblichen Aussagen der Firma

    Werbeaussagen von Firmen gibt es wie Sand am Meer. Diese als Aufhänger in Ihrer Bewerbung zu nutzen, ist eine weitere Möglichkeit zum Brückenbau. Sie können mit dieser Variante ganz unaufdringlich beweisen, dass Sie die Sprache des Unternehmens nicht nur kennen, sondern dass Sie sich mit ihr identifizieren. Über passende Slogans und Claims stolpern Sie ganz automatisch, wenn Sie sich genauer über Ihren potenziellen Arbeitgeber informieren. Doch Vorsicht: Ihr Sprachspiel darf nicht als grobe Verballhornung missverstanden werden.

    Ein Slogan einer grossen deutschen Sparkasse besagt "Ich will 'ne First Class Geldanlage". In der Betreffzeile Ihres Anschreibens könnten Sie beispielsweise mit der Ansage "Ich will 'ne First Class Ausbildung" punkten. Der Bosch-Konzern schreibt auf der Karriereseite der Firmenseite "Wir machen Bosch, machen Sie  mit". Hier bietet sich als Betreffzeile ein "Sie machen Bosch, ich möchte
    mitmachen" an, um die Aufmerksamkeit des Bosch-Personalers zu wecken.

    Nehmen Sie Bezug auf Aktivitäten des Unternehmens

    Lesen Sie die Inhalte von Werbemedien gründlich durch und streichen Sie sich die Dinge an, die Sie besonders interessieren. Und schon finden sich geeignete Projekte und Informationen, auf die Sie in Ihrem Anschreiben Bezug nehmen können.

    Auch zu ganz kleinen Firmen können Sie auf diese Weise Brücken schlagen. Bei mittelständischen Unternehmen aus Ihrer Umgebung können Sie sich in Ihrer Bewerbung beispielsweise auf Firmenaktivitäten beziehen. Wenn Sie Veranstaltungen oder Produkte positiv erwähnen und damit die Brücke zu Ihrer Bewerbung schlagen, demonstrieren Sie Nähe zwischen Ihnen und dem
    Unternehmen.

    Verwenden Sie zum Beispiel eine Formulierung wie "Auf Ihrer Internetseite habe ich gelesen,dass Ihr Unternehmen mit dem 'Fair Company-Preis' ausgezeichnet wurde. Wer würde nicht gerne für solch ein Unternehmen arbeiten? Ein Grund mehr, Ihnen meine Bewerbung zu schicken".

    Auf einen Blick: Beispiele, wie ein Anschreiben beginnen kann

    Die ersten Sätze Ihrer Bewerbung sind von entscheidender Bedeutung für das Interesse, das man Ihnen entgegen bringt. Langweilen Sie, landet Ihre Mappe sofort auf dem Stapel "Absagen". Im Folgenden finden Sie zwei Vorschläge für den Einstieg, die Sie leicht an Ihre Bedürfnisse anpassen können:

    Beispiel 1: Bewerbung bei einem Anbieter für Weiterbildungsseminare - "Seit ich bei einem Ihrer Seminare in Frankfurt mitgemacht habe, denke ich begeistert: Da möchte ich mitdenken, mitreden, mitmachen. Daher bewerbe ich mich bei Ihnen."

    Beispiel 2: Bewerbung bei einer kleinen Schreinerei - "Sie haben die neue Treppe unserer Kirche gebaut. Deshalb denke ich jeden Sonntag an Ihr Unternehmen. Da ich gern an einer der nächsten Treppen
    mitbauen möchte, bewerbe ich mich bei Ihnen."

    Probieren Sie die genannten Tipps bei Ihren nächsten Bewerbungen aus! Sie werden Ihre Chancen auf eine Einladung zum Vorstellungsgespräch deutlich erhöhen - selbst wenn sich vor dem Fenster des Personalleiters die Bewerbungsmappen bis zum 20. Stock stapeln.

    (René Borbonus, 28.01.2008 / Bild: Photodisc)



    Rhetoriktrainer René Borbonus
    betreibt mit Partnern das Weiterbildungsinstitut Communico. Die Frage, welche Elemente einen Menschen überzeugend machen und wie er seine Anliegen am besten aufbereitet, um andere für sich zu gewinnen, ist ein wichtiger Schwerpunkt seiner Arbeit.


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