Bewerben nach Kündigung

Bewerben nach Kündigung

Bewerben nach Kündigung

Form to

Für die Stellensuche nach einer Kündigung braucht es eine solide Vorbereitung – ohnehin das A und O bei jeder Bewerbung – sowie eine transparente Kommunikation.




Der Abschied kam "im Gegenseitigen Einvernehmen" zustande. Im Arbeitszeugnis fehlen die üblichen Höflichkeiten: das Bedauern um den Weggang, die guten Wünsche für die weitere Laufbahn. Eine Kündigung ist immer eine schwere Hypothek. Wie soll man sich jetzt auf dem Arbeitsmarkt präsentieren? 

Selbstbewusstsein statt Niedergeschlagenheit und Wut

Sicher ist es vom Vorteil, wenn möglich noch während der Kündigungsfrist mit der neuen Jobsuche anzufangen. Denn Bewerbungsgespräche verlaufen einfacher, wenn man noch mit einem Bein in der Arbeitswelt steht. Doch viele Menschen brauchen erst einmal eine Verschnaufpause, um die Entlassung zu verarbeiten.

Denn wer sich nach diesem beruflichen Rückschlag wie ein Versager vorkommt, dem wird bei jeder folgenden Bewerbung der nötige Elan fehlen. Auch ist es nicht gerade hilfreich, alle Arbeitgeber von jetzt an als potenzielle Bösewichte zu betrachten. "In der Regel geht es um eine Frage der realistischen Selbstreflexion und der Selbstsicherheit", sagt Susanne Ulrich, Partnerin beim Coaching und Outplacement Büro "out & in" in Baden/AG.

Die Kündigung ehrlich erklären

Es besteht keine Verpflichtung, eine Kündigung bei der Bewerbung von sich aus zu erwähnen. Aber wer nach der Briefselektion für ein Gespräch eingeladen wird, muss sich gleichwohl auf die Frage gefasst machen, wieso es zum Stellenwechsel kommt. Kein Arbeitszeugnis wird über die Kündigung hinweg täuschen, die Personalverantwortlichen wissen die entsprechenden Hinweise – oder die fehlenden Aussagen – genau zu deuten. 

Gefragt ist nun eine ehrliche und sachliche Antwort. Lag ein Konflikt der Entlassung zugrunde, dann soll man diesen Umstand nicht vertuschen, sondern aufzeigen, was daraus gelernt wurde. Was war mein Anteil am Problem? Wie habe ich versucht, eine Lösung zu finden? "Transparenz ist hier wirklich das Beste. Es spricht auch für die betroffene Person, wenn sie selbst möglichst objektiv über die Kündigung sprechen kann", sagt Lorenz Kopp, Leiter der Abteilung Personalbegleitung bei der Schweizerischen Post.

Kein Nachtreten gegen den alten Arbeitgeber

Auf keinen Fall sollte man sich jedoch bei der Schilderung der Situation am alten Arbeitsplatz in Details verlieren oder den früheren Arbeitgeber schwarzmalen, sind sich die Experten einig. Auch die Erläuterung, man sei zum Mobbingopfer geworden, gilt als problematisch. "Mobbing ist ein schwer beweisbarer Vorwurf", sagt Ulrich von out & in. 

Stattdessen verweise man besser auf zwischenmenschliche Probleme, zum Beispiel mit Formulierungen wie "Wir hatten das Heu nicht mehr auf der gleichen Bühne" oder "Ich sehe es so, aber der Andere hat auch seine guten Gründe für seine Sicht der Dinge". Und Ulrich betont: Dieses Frage- und Antwortspiel sollte man im Voraus üben, sei es mit jemanden aus dem privaten Kreis, sei es mit einem professionellen Coach.

Nach vorne schauen

Etwas anders sieht die Lage aus, wenn die Kündigung nicht aus einem Konflikt erfolgte, sondern im Rahmen einer Reorganisation stattfand. Hier wird der Betroffene weniger zu erklären haben. Für eine gewisse Enttabuisierung des Themas haben auch die vielen Entlassungsrunden gesorgt, die es in den vergangenen Jahren in den meisten Branchen gegeben hat. Auch die Schweizerische Post war stark betroffen. Sie gründete deshalb ein betriebsinternes Arbeitsmarktzentrum, das seit 1997 Tausende von Menschen bei der Stellensuche nach einer Umstrukturierung begleitet hat. 

Leiter Personalbegleitung Lorenz Kopp: "Das Thema Kündigung ist neutraler geworden. Es wird heute offener darüber gesprochen." Ausserdem schaue der Arbeitgeber nicht nur nach der Vergangenheit. "Wichtiger ist doch die Frage, wieso eine Person bei uns arbeiten möchte", so Kopp. 

Individuelle Bewerbung

In dieser Hinsicht gilt für die Bewerbung nach einer Kündigung das Gleiche wie für alle andere Bewerbungen: Das Motivationsschreiben soll sorgfältig gestaltet sein und sich an den individuellen Arbeitgeber richten. Ein Standardbrief mit nur zwei, drei Zeilen, der unverkennbar schon öfters verschickt wurde, kommt nie gut an. 

Dabei sollte man aber bedenken, dass die sprichwörtliche Suche nach einer neuen Herausforderung keine leere Floskel darstellt. "Die meisten Leute sind nachher erstaunt und oft auch glücklich, dass sie diese 'Chance' erleben mussten", weiss Outplacement-Coach Susanne Ulrich aus langjähriger Erfahrung.

(Kristin Kranenberg, 2010 / Bild: Adam Gregor, Fotolia.com)