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Beim Bewerbungsfoto muss ein Profi ran

Beim Bewerbungsfoto muss ein Profi ran

Beim Bewerbungsfoto muss ein Profi ran


Beim Bewerbungsfoto muss ein Profi ran

Entscheidet ein Foto darüber, ob die Bewerbung erfolgreich ist? In den meisten Fällen (hoffentlich) nicht. Es sei denn, man möchte sich für einen Job bewerben, für den Aussehen die wichtigste Qualifikation ist.

 


Es ist möglich, dass ein gutes Bild den Weg zum Vorstellungsgespräch ebnet. "Wenn bei einem Personaler zweihundert Bewerbungen auf dem Tisch liegen, ist es doch normal, dass der visuelle Eindruck auch eine wichtige Rolle spielt", sagt Michael Belz, der Leiter des bund professioneller portraitfotografen (bpp), den wir im Folgenden zum Thema befragt haben.

Herr Belz, warum soll man Bewerbungsbilder vom Profi machen lassen?

Ein Bewerbungsfoto ist eine sehr anspruchsvolle Porträtaufnahme: Wie bei jeder realen Begegnung verschafft sich der Personaler natürlich auch über das Bild einen ersten Eindruck von dem Bewerber, checkt – mehr oder weniger bewusst –, ob die Person sympathisch, sozial oder kompetent wirkt. Deshalb kann es meiner Ansicht nach nicht funktionieren, ein Bewerbungsbild wie ein Passbild auf die Schnelle machen zu lassen. Hinsetzen, rechts gucken, links gucken und dann wieder raus. Das wird nichts. Das individuelle Charisma und authentische Abbild des Bewerbers kann nur ein erfahrener, professioneller Fotograf wirklich einfangen.

Was ist denn im Fotostudio meines Vertrauens anders?

Die Beratung, die Erfahrung, die technische Ausstattung, das Gesamtangebot bis hin zur Erstellung kompletter Bewerbungsvorlagen. Sie haben die Möglichkeit, sich für die Aufnahme umzuziehen. Eventuell wird ein Make-up angeboten, darunter verstehen wir aber nicht das Abpudern von Glanzstellen auf der Haut, das ist ohnehin ein Standardservice.

Wie finde ich einen guten Fotografen?

Zum einen kann man auf unserer Webseite nach spezialisierten Fotografen suchen, die wir nach strengen Kriterien zertifizieren. Außerdem sind die meisten Fotografen im Internet mit eigenen Webseiten vertreten, auf denen man Bewerbungsbilder anschauen kann. So bekommt man einen ersten Eindruck. Es ist auch sinnvoll, vorher anzurufen und sich beraten zu lassen. Auf diese Weise merkt man schnell, ob der Fotograf kompetent ist.

Warum ist es aufwändig, ein gutes Bewerbungsbild zu machen?

Es dauert bis der Kunde entspannt ist, konzentriert ist, richtig guckt und sympathisch und kompetent rüberkommt. Viele Menschen sind es nicht gewohnt, fotografiert zu werden und fühlen sich in der Situation zunächst unwohl. Gerade dann verlangt es einen professionellen und erfahrenen Fotografen, der den Kunden anleiten und ihn entspannen kann, damit er "ein natürliches, positives Bild abgibt". Manchmal mache ich 200 Aufnahmen für ein Bewerbungsportrait.

Wie soll ein gutes Bewerbungsfoto aussehen?

Die Zeiten, als alle Bewerbungsbilder gleich aussahen, sind sicherlich vorbei. Es gibt moderne Auffassungen und Variationen. Man kann Fotos im Querformat, quadratisch oder mit angeschnittenen Köpfen machen. Besonders der Ausschnitt der Bilder hat sich verändert, das Gesicht und die Augen sind wichtig. Und natürlich hängt es von dem Job ab, für den man sich bewirbt.



Michael Belz ist gelernter Fotograf, leitet seit 22 Jahren die "FotoWerkstatt", ein privatwirtschaftliches Weiterbildungszentrum für Berufsfotografen, und ist Begründer wie Geschäftsstellen-Leiter des "bund professioneller portraitfotografen – bpp". Mit über 650 Mitgliedern ist der bpp die mitgliederstärkste Berufsinitiative professioneller, kommerzieller Portrait- und Peoplefotografen in Deutschland und eine der größten in Europa, www.b-p-p.info. Der bpp ging 2008 aus der Berufsinitiative "Förderkreis Porträt" hervor, die 1988 ebenfalls von Michael Belz ins Leben gerufen wurde.






Das Bewerbungsfoto sollte dem Beruf angepasst sein?

Ja, und darüber sollte man mit dem Fotografen reden. Einfach gesagt: Einen Animateur wird der Fotograf nicht im Anzug mit Krawatte fotografieren und dem Banker, der sich bei einem seriösen Finanzinstitut bewirbt, sollte man von gewagten Anschnitten im Bewerbungsbild abraten.

Farbe oder schwarz-weiß, wozu raten Sie?

Das hängt unter anderem davon ab, wo man sich bewirbt. Schwarz-weiß gilt immer noch als künstlerisch, deswegen würde ich in manchen Fällen eher zu Farbe raten. Ein farbiges Bild wirkt aktuell, so wie uns das Auge sieht. Schwarz-weiß-Bilder, wenn sie gut gemacht sind, sind hingegen zeitlos. Es ist letztlich eine Geschmacksfrage. Wichtiger ist die Qualität. Personaler sagen uns, dass neun von zehn Bewerbungen Farbbilder sind und sieben davon die Größe eines Passbilds haben. Das würde ich niemals machen, ich will ja auffallen mit einer Bewerbung.

Viele Menschen werden nicht gerne fotografiert und finden sich auf Fotos unattraktiv.

Das liegt auch daran, dass wir meist nur unser Spiegelbild kennen. Das ist wirklich ein Unterschied, deshalb denken viele, sie sehen auf Fotos ganz anders aus. Im Studio kann man darauf eingehen, Bilder am Monitor betrachten, für die richtige Ausleuchtung und das richtige Make-up sorgen.

Mit Photoshop lässt sich sicher viel verbessern.


Ja, allerdings sollte der Fotograf bei der Bearbeitung eines Bewerbungsfotos dezent vorgehen. Natürlich können wir jeden um zwanzig Jahre jünger machen, aber das fällt dann im Vorstellungsgespräch unangenehm auf, wenn der Unterschied zwischen Bild und Realität zu groß ist. Wir setzen Bildbearbeitung ein, um die Fotos technisch und gestalterisch zu optimieren. Hauttöne korrigieren und die Augenringe der letzten Nacht abschwächen, das ist okay.

Was kostet ein gutes Bewerbungsfoto?

Wenn man nicht über ein Passbild oder ein schnelles Foto, sondern über ein sehr gutes Bewerbungsportrait redet, liegt das zwischen 50,- und 150,- Euro. Es kommt immer auf das Gesamtangebot an. Businessportraits und Aufnahmen mit viel Aufwand, zum Beispiel wenn ein Visagist mitarbeitet, liegen natürlich darüber. Es ist auch ein Unterschied, ob der Kunde das Bild digital haben möchte oder einen hochwertigen Ausdruck braucht.

Das beste Angebot ist also das teuerste?

Nein. Ein Test von RTL mit versteckter Kamera hat einmal ergeben, dass die qualitativ schlechtesten Bewerbungsfotos sowohl von dem günstigsten als auch von dem teuersten Anbieter kamen. Man kann durchaus Fotostudios finden, wo man für 25,- Euro ein anständiges Bild bekommt. Das Entscheidende ist, dass man sich vorher anschaut, wie viel Zeit sich der Fotograf nimmt, was er für Bilder macht und ob einem das gefällt. Wer bei höherpreisigen Angeboten Risiken umgehen möchte, kann sich ein Studio suchen, das eine Zufriedenheitsgarantie bietet.

( Das Interview führte Frank Neumann / Bilder: Yuri Arcurs / bpp)